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11.10.16 Der Verfall des Goldpreises

Gold markierte zuletzt den höchsten Wochenverlust seit langem. Sind das wieder Kaufkurse, fragt Christian Siedenbiedel von der F.A.Z.. Der Goldpreis hat die Woche mit einem auffälligen Verlust abgeschlossen: Seit Montag ist der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) von 1319 auf 1255 Dollar am Freitagnachmittag gesunken. Das war ein Rückgang um 64 Dollar oder 4,8 Prozent, die wohl stärkste Korrektur seit zwei Jahren. Ziemlich unerfreulich für Goldbesitzer: Der Wert beispielsweise der Goldreserven der Bundesbank in einer Größenordnung von 3378 Tonnen sank in dieser Woche rechnerisch um gut sechs Milliarden Euro. Der Silberpreis, der sich oftmals ähnlich wie der Goldpreis, nur mit stärkeren Ausschlägen entwickelt, ging sogar um 9,5 Prozent auf 17,35 Dollar je Feinunze zurück.

Der größte Teil des Preisrückgangs in dieser Woche entfiel dabei auf den Dienstag - jenen Tag, an dem in Amerika und Europa über eine Straffung der Geldpolitik diskutiert wurde. In den Vereinigten Staaten hatten Äußerungen von Notenbankern die Erwartungen an den Märkten für eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr verstärkt. In Europa wiederum hatte ein - allerdings später dementierter - Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg dafür gesorgt, dass an den Finanzmärkten über ein Auslaufen der Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank spekuliert wurde.

Ein Regimewechsel der Notenbanken könnte dem Goldpreis durchaus schaden - auch wenn unter Analysten umstritten ist, wie stark dieser Effekt wäre. Höhere Zinsen in Amerika würden schließlich eine zinslose Anlage wie Gold tendenziell unattraktiver machen. Zudem könnte mit steigenden Zinsen der Dollar stärker werden, was wiederum Gold in Ländern außerhalb des Dollarraums verteuern und damit die Nachfrage bremsen könnte. Auch wenn in Europa die Versorgung der Märkte mit billigem Geld gebremst würde, könnte das Gold verbilligen:

Die EZB war allerdings in den letzten Tagen bemüht, alle Spekulationen über eine Straffung der Geldpolitik wieder einzufangen. Auch EZB-Präsident Mario Draghi persönlich hob am Freitag in Washington noch einmal hervor, die EZB werde das „sehr erhebliche Ausmaß der geldpolitischen Unterstützung“ bewahren. Hauptgrund für die Korrektur des Goldpreises seien aber ohnehin die Spekulationen um die amerikanischen Leitzinsen gewesen, meinte Dan Smith, Rohstoffanalyst von Oxford Economics in London.

Gold-Nachfrage im ersten Halbjahr 2016 außergewöhnlich hoch gewesen

War die spontane Reaktion der Investoren am Goldmarkt auf die Notenbanken also übertrieben? Die Analysten in verschiedenen Banken vertraten am Freitag diese Auffassung. Die Commerzbank beispielsweise schreibt in ihrem wöchentlichen Rohstoffbericht, der Goldpreis werde sich aus ihrer Sicht bald wieder erholen - und verweist dazu auf die Goldnachfrage aus China und Indien.

Nach Zahlen des World Gold Councils, einer Vereinigung der Minenbranche, war die Goldnachfrage zumindest im ersten Halbjahr 2016 außergewöhnlich hoch gewesen und erreichte sogar den zweitbesten Wert in einem ersten Halbjahr überhaupt. Auch die Deutsche Börse hat einen Rekord vermeldet: Die Menge an Gold, die für die physisch hinterlegten Gold-Wertpapiere „Xetra Gold“ in Frankfurter Tresoren deponiert wurde, überschritt gerade erstmals die Grenze von 100 Tonnen.

Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs sieht in dem Preisverfall beim Gold denn auch eine Chance: Zumindest, wenn der Goldpreis „substantiell“ unter 1250 Dollar falle, eröffneten sich Kaufmöglichkeiten, heißt es in einem Bericht der Investmentbank vom Freitag. Auch Oswald Grübel, der frühere Chef der Schweizer Großbank UBS, plädierte für den Goldkauf. „Ich kann nur empfehlen: Erhöhen Sie den Goldanteil bei ihren Anlagen auf 30 Prozent“, sagte Grübel dem „Manager Magazin“. Er begründete seinen Rat damit, dass er befürchte, die Niedrigzinspolitik der Notenbanken könnte in einem gewaltigen Crash an den Finanzmärkten enden: „Die Volatilität wird so hoch sein wie noch nie.“

Unterdessen haben die Notenbanken vor allem in China und Russland ihre Goldreserven weiter aufgestockt. Nach den jüngsten Zahlen des World Gold Councils für Oktober sind die chinesischen Goldreserven gegenüber dem Vormonat um 4,9 auf 1833,5 Tonnen gestiegen. Russlands Goldbestände nahmen um 20,1 auf 1526,1 Tonnen zu. Hingegen hat das angeschlagene Venezuela sich offenbar abermals von 5,5 Tonnen Gold getrennt, seine Restbestände betragen nach offiziellen Angaben noch 188,7 Tonnen.

Auch die Türkei hat den Angaben zufolge 4,7 Tonnen Gold verkauft. Die meisten europäischen Länder hingegen hielten offenbar zumindest weitgehend an ihren Goldbeständen fest. In einer Umfrage über ihre Pläne für die Zukunft unter 19 Zentralbank-Managern sagten fast 90 Prozent, dass sie innerhalb der nächsten drei Jahre entweder den Stand der Goldreserven halten oder sogar zukaufen wollten.

Dieser Bericht wurde nicht geprüft. Für Richtigkeit der Angaben übernimmt Silbernews keine Haftung.
Quelle: Gold.Bullionvault.de

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