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Philharmoniker Depot

02.09.17 EZB fürchtet starken Euro und will diesen weiter abwerten

Die Chefs der großen Zentralbanken tagten Ende vergangener Woche im amerikanischen Jackson Hole und besprachen dort die weitere Vorgehensweise zur Rekapitalisierung des Bankensystems. Am Freitag hielten die Notenbanker Reden, so auch US-Notenbankchefin Janet Yellen am Nachmittag und EZB-Chef Draghi am Abend. Yellen äußerte sich nicht zu weiteren Zinsanhebungen und auch nicht zu der geplanten Reduzierung der Notenbankbilanz, was deflationär wirken und so den US-Dollar stärken würde. Die Märkte interpretierten dies als mögliche Abkehr von den „hawkischen“ Plänen der US-Notenbank und reagierten mit Verkäufen des US-Dollars, worauf der Euro über den Widerstandsbereich um die 1,18$ schoss. Draghi äußerste weiterhin, dass die ultralockere Geldpolitik weiter fortgesetzt und die Inflationsentwicklung noch nicht den Erwartungen entsprechen würde. Daraufhin kam es zu einem weiteren Preissprung auf 1,195$ und am Dienstag erreichte der Euro sogar fast die 1,21$.

An den Aussagen der Notenbanker in Jackson Hole hatte sich nichts geändert und der Bias liegt immer noch zugunsten eines mittelfristig wieder stärkeren US-Dollars. Die Märkte stellen sich nun seit geraumer Zeit gegen die Notenbanken, was sich mittelfristig als Fehler herausstellen könnte. „Don’t fight the FED“ ist eine einfache Börsenweisheit, gegen die sich einige Analysten und Ökonomen vehement stellen und beispielsweise trotz der weltweit weiter anwachsenden Liquidität seit Jahren viel zu früh einen Einbruch des Aktienmarktes propagieren, da sie das Geldmengenwachstum in ihren Kalkulationen nicht berücksichtigt haben. Auch wenn die US-Notenbank seit zweieinhalb Jahren kein Geld mehr druckt, so haben die europäische und die japanische Notenbank mit der Ausweitung ihrer Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen ihre Bilanzen vervielfacht, wobei diese mittlerweile beide größer sind, als die der amerikanischen Notenbank, wie der folgende Chart zeigt.

Die Bilanzen der EZB und die der Bank of Japan sind mittlerweile größer als jene der US-Notenbank.

Nachdem der Euro zum US-Dollar in dieser Woche auf fast 1,21$ anstieg, sah sich die Europäische Zentralbank zu einer verbalen Intervention genötigt. Eine steigende Anzahl EZB-Mitgliedern sei über den starken Euro in Sorge, da dieser deflationäre Tendenzen im Euroraum verstärken würde. Dies steht den Plänen der EZB natürlich entgegen und zwingt sie dazu, die lockere Geldpolitik fortzusetzen. Die Äußerungen führten sofort zu Verkäufen, worauf der Euro von fast 1,207$ auf 1,183$ deutlich einbrach. Da die Ankündigung des europäischen QE-Programms in 2014 genügte, um den Euro von 1,40$ auf 1,05$ abstürzen zu lassen, wetten nun bereits die Spekulanten auf einen erneuten Staffelwechsel der Notenbanken. Man erwartet, dass die EZB entgegen ihren Äußerungen das Ankaufprogramm drosseln und letztlich beenden wird, während die FED gleichzeitig entgegen ihren Äußerungen die Bilanz nicht reduzieren, sondern zur lockeren Geldpolitik zurückkehren wird.

Folgender Chart des US-Terminmarktes für den Euro zeigt, wie extrem die Spekulation auf einen steigenden Euro entgegen der fundamentalen Situation bereits ist. Bleibt nun alles beim Alten und kommt nicht zum erneuten Staffelwechsel bei den Notenbanken, so wird auch diese extreme spekulative Blase platzen und der Euro nicht nur das letzte Tief anlaufen, sondern vermutlich auch unterschreiten. Das entspräche einem Einbruch des Euros um mindestens 15%, was den Goldpreis in Euro deutlich um mindestens 10% ansteigen lassen könnte. Nur dann, wenn die EZB ihre Käufe wirklich drosselt und letztlich beendet, während die FED ihre Geldpolitik wieder lockern wird, liegen die Spekulanten auf der richtigen Seite des Marktes.

Die Spekulation auf einen steigenden Euro ist so extrem wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Der obige Chart zeigt auch, dass die aktuelle Spekulation auf einen steigenden Euro zuletzt vor zehn Jahren so extrem war. In diesem Zeitraum kam es immer dann, wenn die Spekulation derart extreme Ausmaße erreichte, zu massiven Einbrüchen von 15 US-Cent bis zu 30 US-Cent beim Euro.

Ein aktueller Report der Bank of Amerika empfiehlt den Devisenhändlern nicht länger gegen die Notenbanken anzukämpfen und rät den Dollar nicht mehr zu shorten und den Euro nicht mehr zu kaufen. Die BofA geht ebenso davon aus, dass jene Marktteilnehmer, die gegen die Politik der Notenbanken ankämpfen, bestraft werden vom Markt. Man glaubt, die Märkte würden zu wenig von der FED und zu viel von der EZB in diesem und nächsten Jahr erwarten, was exakt auch unserer Einschätzung entspricht. Die BofA sieht den Euro zum US-Dollar bis zum Ende des Jahres schwächer werden, nach der bisherigen starken Rallye. Wir teilen diese Meinung bekanntlich seit längerer Zeit und haben uns mit dem Spike nach Jackson Hole wieder für einen fallenden Euro positioniert.

Der Euro dürfte wieder bis Jahresende abwerten und den Goldpreis in Euro stützen.

© Blaschzok Financial Research

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Quelle: www.BlaschzokResearch.de | www.goldsilbershop.de

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